Es gibt Dinge, die braucht man erst, wenn man sie nicht mehr hat: Beweglichkeit zum Beispiel. Und Eleganz. Dass beides zusammengeht, beweist ein Produkt, das irgendwie aussieht wie ein smarter Einkaufstrolley, aber deutlich mehr kann. Der CityCaddy, erdacht und gestaltet von der Hamburger Designerin Elke Jensen, ist ein Gepäckträger, modischer Shopper und dezente Gehhilfe in einem. Und das mit einer Selbstverständlichkeit, die den Rollator alt aussehen lässt.
Die Idee kam ihr beim Gehen. Oder besser: beim Beobachten des Gehens. Elke Jensen, damals Anfang siebzig, viel unterwegs zu Fuß und stets mit kritischem Blick für Form und Funktion ausgestattet, wunderte sich, warum es für Menschen mit leicht eingeschränkter Mobilität kaum Hilfsmittel gab, die ohne medizinischen Beigeschmack auskamen. Nichts wirkte durchdacht, nichts wirklich schön. Also entwarf sie kurzerhand selbst ein Produkt, das ihrer Vorstellung entsprach.

Der CityCaddy ist ein Beispiel dafür, wie man den Begriff „Gehhilfe“ neu definieren kann. Er lässt sich je nach Bedarf vor sich herschieben oder hinter sich herziehen. Ein kleiner Hebel regelt den Wechsel. Die Griffhöhe ist stufenlos anpassbar, von etwa 70 bis 100 Zentimeter, wobei der lederbezogene Griff nicht nur gut aussieht, sondern auch angenehm in der Hand liegt. Ein Wegrollstopper sorgt für sicheren Halt, wenn unterwegs mal Pause angesagt ist. Die Doppelräder machen den Caddy sogar treppentauglich.
Vieles an diesem Gefährten erinnert eher an ein durchdachtes Reiseaccessoire als an ein Hilfsmittel: das klappbare Edelstahlgestell, die austauschbaren Taschen in verschiedenen Designs, die Wahl zwischen knalligem Orange, elegantem Blau oder neutralem Beige. Drei Taschenmodelle stehen derzeit zur Auswahl, darunter eine Variante aus echtem Leder und eine andere aus einem robusten Papierstoff. Besonders auffällig: die Hamburger Version in Kooperation mit dem Label fyksin, gefertigt aus recycelten Werbeplanen. So wird jedes Stück ein Unikat.

Elke Jensen wollte aber nicht nur ein schönes Produkt, sondern auch ein nachhaltiges. Deshalb wird der CityCaddy in Deutschland produziert, in Zusammenarbeit mit zwei Manufakturen und freien Handwerkern. Die Taschen stammen aus einer Ledermanufaktur in Sangershausen, das Gestell ist auf Reparierbarkeit ausgelegt, Kunststoff wurde weitgehend vermieden. Das lässt nicht nur Umweltfreunde aufhorchen, sondern auch jene, die Wert auf Langlebigkeit legen.
Entstanden ist ein Produkt, das sich schwer in eine Kategorie pressen lässt. Zu stylisch für die Apotheke, zu praktisch fürs Modehaus. Vielleicht ist genau das seine Stärke. Der CityCaddy richtet sich nicht nur an Senioren, sondern auch an jüngere Menschen, die aufgrund von Verletzungen oder chronischen Beschwerden ein wenig Unterstützung beim Gehen brauchen. Oder einfach an alle, die gerne mit leichtem Gepäck und geradem Rücken durchs Leben rollen.

Elke Jensen selbst lebt, was sie entwirft. Mit heute 76 Jahren leitet sie ihr Start-up mit bemerkenswerter Energie. Ihre Biografie liest sich wie ein Parforceritt durch die Designwelt: Studium in Kiel und Würzburg, Tätigkeiten als Dozentin an der AMD Akademie, Engagement in Künstlerstiftungen, Gründung einer eigenen Galerie. Und dann, mit 70, noch einmal Neustart. Ihr zweites Label, ToSomKom, verbindet Designer mit Werkstätten der Inneren Mission Schleswig-Holstein. Auch hier geht es um Verbindung, um gemeinsames Gestalten, um Dinge, die bleiben.
Der CityCaddy ist daher mehr als ein schickes Transportmittel. Er steht für eine Haltung: Altern ja, aber mit Haltung. Bewegung nicht als Mühsäligkeit, sondern als Ausdruck von Selbstbestimmung. Wie sagte einst ein Neurowissenschaftler so treffend? „Gehen ist eine Superkraft.“ Mit dem CityCaddy bekommt diese Kraft eine neue Form – und ein Design, das sich sehen lassen kann.
Und sollte irgendwann auch noch ein Modell für den stilvollen Transport kleiner Hunde erscheinen – man würde sich nicht wundern. Es wäre nur die logische Fortsetzung einer Idee, die Bewegung und Geschmack nicht als Widerspruch denkt.


