Eine Radwanderung von München bis Venedig: Mit dem E-Bike über die Alpen

Eine Radwanderung von München bis Venedig: Mit dem E-Bike über die Alpen

Radtour: Mit dem E-Bike von München bis Venedig über die Alpen

Wunderschön, traumhaft und atemberaubend! Es gibt noch viele weitere imposante Worte wenn man die Fahrradtour von München nach Venezia (Venedig) beschreiben will, zu der unsere Reisejournalistin Susan als Redakteurin der Touristikzeitung eingeladen war. Für diese Schnuppertour standen nur vier Tage zur Verfügung, daher wurden einige Streckenanteile mit dem begleitenden Fahrradbus zurückgelegt. Möchte man die komplette Strecke mit dem Rad fahren, benötigt man 7 bis 10 Tage .

Als unsere Redaktion die Einladung des Reiseveranstalters Feuer und Eis Touristik zur Fahrradtour „mit dem Rad von München nach Venedig“ erreichte, war gleich klar, dass Susan die Tour mitfahren würde. Als passionierte Radfahrerin war sie sofort aus dem Häuschen und freute sich bereits Tage zuvor auf die Tour. Ihre Begeisterung über die Radwanderung kann man gut vollziehen.


Susans Reisebericht


560 Kilometer mit dem Rad – oder von München bis Venezia, drei Länder, drei Klimazonen

Die Teilnehmer trafen sich in München im Partnerhotel von Feuer und Eis Touristik. Dort lernten wir Gerhard Schubert, unseren Tourguide, kennen. Er beschrieb uns die bevorstehende Tour, anschließend erhielt jeder sein voll aufgeladenes, fahrbereites Pedelec, bereitgestellt von FunAktive Tours. Die Räder wurden natürlich für jeden Radler individuell eingestellt; aber bevor es losging, erfolgte noch eine kurze Einweisung in die Nutzung der E-Bikes.

Dann war es auch schon so weit. Kaiserwetter sollte die nächsten vier Tage mein ständiger Begleiter sein. Aus München heraus führte der Weg ein Stück durch die Stadt, entlang am Tierpark Hellabrunn, längs der Isar hinaus über Grünwald. Sehr schnell ließen wir die Stadt hinter uns.

Mit dem E-Bike nach Bad Tölz

Vorbei an schönen Landschaften führte der Weg stetig und sanft bergauf. Das Etappenziel von Tag eins lautete Bad Tölz, die Stadt, die wohl jeder sofort mit der Fernsehserie „Der Bulle von Tölz“ verbindet. Für die, die das Buch „Die Brücke“ von Gregor Dorfmeister kennen – es wurde 1959 von Bernhard Wicki verfilmt – sei gesagt, dass es bei dieser weltbekannten Brücke um die Isarbrücke von Bad Tölz geht. Heute steht gegenüber der Brücke ein Denkmal an Gregor Dorfmeister.

An dem lauen Abend konnte ich mich bei einem Spaziergang an den schönen Barockhäusern von Bad Tölz kaum satt sehen. Besonders eindrucksvoll ist das Kurhaus, das nach den Plänen des Münchner Architekten Gabriel von Seidl erbaut und im Juni 1914 eröffnet wurde.

Alpentour: bergauf und bergab

Am zweiten Tag fuhren wir zum Stausee Sylvensteinspeicher um dort einen kurzen Stopp einzulegen. Die Stimmung war, geprägt durch den Nebel der über dem See lag, mystisch und malerisch. Weiter ging es zum Achensee um den wir in gemächlichem Tempo herum radelten.

Nicht wenige Fotos sind entstanden; Wetter und Kulisse luden geradezu zum Fotografieren ein. Die Strecke führte uns weiter auf einem Schotterweg mit teils sehr steilen Serpentinen, über vier Kilometer, von 900 auf 500 Höhenmeter abwärts bis nach Jenbach. Man musste auf dem Schotter wirklich aufpassen und langsam fahren, wenn man nicht vom Rad stürzen wollte. Unsere nächste Station war Innsbruck. Für die Fahrtstrecke dorthin wurde unser Begleitbus genutzt.

Alpentour: Mit dem Fahrrad nach Innsbruck

Innsbruck ist eine wirklich schöne Stadt, der man unbedingt einen längeren Besuch abstatten sollte. Das berühmte Goldene Dachl lockt viele Touristen aus der ganzen Welt an. Selbstredend auch uns. Nach dem Mittagessen chauffierte uns der Begleitbus über den Brenner in das betörende Pustertal. Wenige Kilometer vor Bruneck setzten wir uns wieder auf die Räder und die Fahrt ging bis Niederdorf in die Dolomitenregion Drei Zinnen, dem Ende der heutigen Tour. Bis dorthin galt es einige Kilometer an moderatem Anstieg zu bewältigen, aber mit dem E-Bike war das kein Problem.

Gutes Essen hält Leib und Seele zusammen

Helene Markart vom Hotel Adler in Niederdorf servierte uns ein phantastisches 3-Gänge-Menü, das sowohl für Augen wie für den Gaumen ein absolutes Highlight war. Begleitet wurde das Essen von einem leckeren Sylvaner vom Weingut Manni Nössig aus Brixen. Helene Markart betreibt das Hotel zusammen mit ihrem Mann. Sie hat die deftige Südtiroler Küche mit mediterranen Einflüssen herausragend gut, neu interpretiert  und zwei Kochbücher (“Magische Küche der Dolomiten” und “Tiroler Küche gestern und heute“) mit tollen Rezepten geschrieben. Beim Betrachten der Bilder in ihren Büchern läuft einem augenblicklich das Wasser im Munde zusammen.

Tipps vom Radprofi für die Alpenüberquerung

Am nächsten Morgen fuhr uns der Bus nach Toblach, dort hat FunAktive Tours ihren Unternehmensstandort. Freddy Maier, Inhaber und ehemaliger Radprofi wartete bereits auf uns. Er war auf der italienischen Seite federführend an der Streckenführung des Radweges München – Venezia beteiligt. Ziel war es, eine durchgehende Route durch die drei Länder Deutschland, Österreich und Italien zu realisieren.

Am Unternehmensstandort von FunAktive Tours ist viel los und sogar Mitte September noch spürbar Hochsaison. Die Spezialisten für Radreisen haben sich bei Urlaubern und Radfahrern aus der Region eine hohe Reputation erworben.

FunAktive Tours und Feuer und Eis Touristik sind die offiziellen Reiseveranstalter für die Alpenüberquerung per Rad. FunAktive Tours hat circa 750 Räder (Trekking-Fahrräder, E-Bikes, Rennräder und MTBs) im Verleih. Bei Freddy kann man auch einen Zwischencheck des Rades machen lassen – immerhin ist man bis hierhin schon einige Kilometer gefahren.

Nach dem Passo Cimabanche geht es nur noch bergab

Später ging es, auf einer ehemaligen Bahnstrecke, von Toblach hoch auf den Passo Cimabanche (ladinisch Sorabances), der höchsten Stelle dieser Radtour, natürlich begleitet von Freddy. Unsere Fahrt führt vorbei an pittoresken Häusern, durch herrliche Nadelwälder, vorbei an kleinen Bergseen und ständig begleitet von Kuhglockengeläut. Man ist umgeben von den Dolomiten und hat die imposanten drei Zinnen vor Augen. Welch prächtige Bergwelt offenbart sich hier, dazu kommt der Duft von frisch geschlagenem Holz – herrlich. Man möchte das olfaktorische Erlebnis in einem Glas konservieren und für zu Hause einpacken.

Am Passo Cimabanche genießen wir die warmen Sonnenstrahlen und freuen uns, dass es ab hier nur noch bergab geht. Ich verfalle stellenweise dem Geschwindigkeitsrausch und muss mich immer wieder einbremsen. Man darf keinesfalls leichtsinnig werden. Teilweise führt die Strecke über Schotter und kann sehr rutschig sein. An einigen Stellen bleibe ich stehen, verharre ein paar Minuten und lasse die grandiose Natur auf mich wirken. Es ist ein überwältigendes Gefühl, eins mit der Natur zu sein. Man wird demütig ob der gewaltigen Dolomiten.

Restaurant La Tappa: Hier lohnt sich die Einkehr

Unsere Gruppe passiert Cortina d’ Ampezzo und fahren weiter nach Pieve die Cadore. In Valle di Cadore, im Restaurant La Tappa kehren wir zum Mittagessen ein. Das La Tappa beschäftigt ausschließlich Menschen mit einem Handicap. Jeder, der vorbei kommt, kann hier Rast machen und das lohnt sich. Wer hier nichts essen möchte, kann natürlich auch nur einen erfrischenden Drink nehmen. Ich finde dieses Projekt gut und wichtig; es gehört unbedingt unterstützt.

Wir fahren eine Teilstrecke mit dem Tourbus bis Treviso und sind schon fast am Ziel. Schade, heute schwingen wir uns das letzte Mal auf unsere Räder. Es geht jetzt entlang der Sile, einem Fluss in der italienischen Region Venetien, der in die nördliche Adria mündet. Ich beobachte schneeweiße Schwäne, die die Abendsonne auskosten und mir gerne als Fotomodell dienen. Die Sonne steht tief, lässt den Fluss glitzern und taucht die Bäume in ein weiches Licht.

Ankunft in Mestre, kurz vor Venedig

Das Endziel Mestre, direkt neben Venedig gelegen,  ist nicht mehr weit entfernt und ich werde wehmütig, weil wir schon am Ziel sind. Im Hotel angekommen, machen sich alle stadtfein und erleben den Abend bei gutem Essen und noch besserem Wein. Jetzt genießen wir das verdiente Dolce Vita.

Am nächsten Morgen – sehr früh – bringt der Zug mich zurück von Mestre nach über München Stuttgart. Wer umweltfreundlich reisen möchte, kann die Strecke nach Deutschland bequem und pünktlich mit der Bahn zurücklegen. Wer mit dem eigenen Fahrrad unterwegs ist, findet ausreichend Platz im Zug.  Die Reservierung für das Fahrrad ist obligatorisch. Der Umstieg in Verona klappt sehr gut. Ich genieße die vorbeiziehenden Landschaften in Venetien und dem Trentino und lasse meine Eindrücke der Radreise Revue passieren. Kurz vor München –  aus Tagträumen erwachend  – steht man vor dem Fazit, dass die vier Tage viel zu schnell vorbei waren. München – Venezia, bis nächstes Jahr.

Hardfacts – Radtour mit E-Bikes von München bis Venedig

Die Strecke beträgt 560 Kilometer mit insgesamt 3.000 Höhenmetern im Anstieg. Sie ist von April bis Oktober befahrbar. Der Startpunkt  München liegt auf 525 Höhenmeter. Der Passo Cimabanche  ist der höchste Punkt der Strecke und liegt auf 1.530 Meter. Das Ziel der Tour, Mestre bzw. Venedig, liegt auf Meereshöhe. Auf der Strecke muss  man mit allen Wegbeschaffenheiten (Beton, Schotter, Waldboden) rechnen. Mit E-Bikes ist die Strecke für jedermann beherrschbar, Kinder sollten nicht jünger als 12 Jahre sein.

Feuer und Eis Touristik ist auf Radreisen spezialisiert. Zusammen mit FunAktion Aktive (für den italienischen Streckenteil) erfolgt die komplette Logistik wie Gepäcktransport, Rücktransport des eigenen Rades und Buchung der Hotelzimmer. Dank einem sehr engen Netzwerk an Radhändlern auf der gesamten Strecke ist bei einer Panne schnelle Hilfe möglich.

Reisen mit Leihrad oder dem eigenen Drahtesel

Die Reise kann als so genannte SelfGuided Tour oder mit einem Guide gebucht werden. Nach Buchung erhält man ausführliche Reiseunterlagen und andere nützliche Dinge, wie z. B. ein Bandana, Notfallhinweise, einen gedruckten Streckenführer von bikeline sowie Salbe für den Sitzmuskel. Man kann die Strecke mit dem eigenen Rad fahren oder ein Fahrrad bei  FunAktion Aktive leihen. Der große Vorteil geführter Touren ist, dass man sich um (fast) nichts kümmern muss. Den Teilnehmern bleibt sowohl die schwierige Zimmerbuchung wie auch die Suche nach guten Speiselokalen erspart, gerade in der Hochsaison kann die eigenverantwortliche Zimmersuche sehr aufwändig sein. Natürlich geht man mit einer geführten Tour auch dem Risiko aus dem Weg, sich zu verfahren.

Die viertägige Schnuppertour hat mir so gut gefallen, so dass ich die vollständige Tour im kommenden Jahr, gemeinsam mit meinem Mann machen will. Noch hat er keine Ahnung von meinem Vorhaben, aber er wird sich freuen.

Autorin Susan mit dem E-Bike in den Alpen

Fotos und Artikel: Susan Mauer


Die Teilnahme an der Reise wurde von den im Artikel genannten Veranstaltern Feuer und Eis Touristik  und FunAktive Tours unterstützt. Die An- und Abreise wurde von der Redaktion der Touristikzeitung übernommen. Dieser redaktionelle Artikel wurde nach journalistischen Grundsätzen verfasst und spiegelt die Meinung der Autorin wieder. Geschäftliche Interessen Dritter haben keinen Einfluss auf unsere journalistische Unabhängigkeit.